Eden Island
Journal

Logbuch30. Juli 20263 Min. Lesezeit

Die Insel gehört uns. Jetzt fängt die Arbeit an.

Eine verlassene NVA-Station im Greifswalder Bodden wechselt den Besitzer — und wird zum Anfang von etwas, das keinem Einzelnen gehören soll. Der erste Eintrag im Journal von Eden Island.

Verlassene Betonstation frontal aus dem Wasser, verwitterte moosbewachsene Basis
Verlassene Betonstation frontal aus dem Wasser, verwitterte moosbewachsene Basis

Es gibt einen Moment, in dem ein Projekt aufhört, eine Idee zu sein. Bei uns war das der Moment, in dem die Insel den Besitzer wechselte. Kein Spatenstich, kein Banddurchschneiden: nur Papier, Unterschriften und danach eine sehr stille Bootsfahrt zurück an Land.

Was jetzt vor uns liegt, ist unspektakulärer und größer zugleich. Die Insel ist erworben — und wir fangen gerade erst an.

Was da eigentlich im Wasser steht

Rund drei Kilometer östlich der Insel Vilm, südöstlich von Rügen, liegt ein Betonklotz im Greifswalder Bodden. Auf alten Karten heißt er Ostervilm. Gebaut hat ihn die Nationale Volksarmee, und zwar für einen Zweck, den man erst einmal erklären muss.

Ein Schiff aus Stahl wird im Erdmagnetfeld mit der Zeit selbst magnetisch. Diese Signatur ist verräterisch, denn Seeminen reagieren darauf. In einer Entmagnetisierungsanlage wird sie gemessen und mit starken, stromdurchflossenen Spulen neutralisiert. Genau das passierte hier: Schiffe liefen an, wurden entmagnetisiert und waren anschließend schwerer aufzuspüren.

Gearbeitet wurde dabei ausschließlich mit Strom und Magnetfeldern. Keine Chemie, kein radioaktives Material, keine Rückstände — und seit Jahrzehnten ist die Anlage ohnehin stromlos. Mit dem Ende der NVA verlor die Station ihren Zweck. Seither steht sie leer, und das sieht man ihr an.

Jahrzehntelang hat sie gewartet. Worauf, entscheiden wir.

Warum nicht ein Investor, sondern tausend Menschen

Der naheliegende Weg wäre gewesen, einen Käufer mit tiefen Taschen zu suchen. Ein Objekt wie dieses hätte am Ende einem Einzelnen gehört, und was daraus wird, hätte ein Einzelner entschieden.

Wir gehen den anderen Weg. Parallel zum Erwerb gründet sich die Eden Island e.G. — eine Genossenschaft, die die Insel gemeinschaftlich entwickeln und dauerhaft dem spekulativen Immobilienmarkt entziehen soll. 1.000 Anteile à 999 €, und damit 1.000 Menschen, die mitentscheiden. In einer Genossenschaft gilt: ein Mitglied, eine Stimme. Unabhängig davon, wie viele Anteile jemand hält.

Das ist keine Finanzierungsform, das ist eine Haltung. Wer mitbaut, soll auch mitreden.

Was in den kommenden Monaten passiert

Ehrlich gesagt: das meiste davon wird von außen nach wenig aussehen.

  • Sichern und verstehen. Die Bausubstanz ist eine ungesicherte Ruine. Bevor irgendetwas Neues entsteht, muss klar sein, was tragfähig ist und was nicht.
  • Die Genossenschaft eintragen. Bis zur Eintragung im Genossenschaftsregister sind alle Anteile Vorreservierungen — unverbindlich und jederzeit widerrufbar.
  • Menschen zusammenbringen. 192 Unterstützerinnen und Unterstützer tragen das Projekt schon heute mit Wissen, Material, Handwerk und Reichweite. Es werden mehr.
  • Erzählen, was passiert. Gemeinsam mit Creators entstehen Videoformate, die die Entwicklung über Jahre begleiten. Dieses Journal ist der schriftliche Teil davon.

Es wird Rückschläge geben. Wetter, Genehmigungen, Statik, Kosten: die Ostsee verhandelt hart, und wir schreiben auch das hier mit. Ein Logbuch, das nur Erfolge kennt, ist kein Logbuch.

Warum wir das aufschreiben

Weil ein Ort, der einer Gemeinschaft gehört, auch für die Gemeinschaft nachvollziehbar sein muss. Wer 999 € einlegt, soll nicht auf Pressemitteilungen warten, sondern lesen können, was auf der Insel passiert — inklusive der Umwege.

Und weil wir glauben, dass die interessantere Geschichte nicht das Ergebnis ist, sondern der Weg dorthin. In fünf Jahren wird man auf dieser Insel arbeiten, drehen, aufnehmen, sich begegnen. Wie es dazu kam, steht dann hier.

Häufige Fragen

Kann ich die Insel besuchen?

Derzeit nicht. Die Insel ist nur über das Wasser erreichbar und die Bausubstanz ist eine ungesicherte Ruine — ein Betreten auf eigene Faust wäre gefährlich und ist nicht gestattet. Wie und wann Mitglieder die Insel begleitet besuchen können, teilt die Genossenschaft mit, sobald das geregelt ist.

Ist die Genossenschaft schon gegründet?

Nein, die Eden Island e.G. befindet sich in der Gründungsphase. Sobald sie offiziell gegründet und im Genossenschaftsregister eingetragen ist, informieren wir alle Vorreservierenden und die Anteile können verbindlich gezeichnet werden.

Gibt es dort Strahlung?

Nein. Eine Entmagnetisierungsanlage arbeitet mit Elektromagnetismus, nicht mit radioaktivem Material: Strom fließt durch Spulen, dabei entsteht ein Magnetfeld, und sobald der Strom abgeschaltet ist, ist auch das Feld verschwunden. Es gibt bei diesem Verfahren keinen Vorgang, der strahlende Rückstände hinterlassen könnte.

Bekomme ich eine Rendite?

Eden Island ist in erster Linie ein gemeinschaftliches und gemeinwohlorientiertes Projekt. Eine finanzielle Rendite ist nicht das Hauptziel, wird für die Zukunft aber angestrebt. Ob und in welcher Form eine Ausschüttung möglich ist, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung der Genossenschaft ab.

Insel 1000

Eine Insel in Gemeinschaft

1.000 Anteile à 999 € — jeder Anteil eine Stimme. Reservieren Sie unverbindlich vor und werden Sie Teil der Genossenschaft.