
Logbuch07. Oktober 20263 Min. Lesezeit
Vermessen bis auf den Grund
Laserscan, Drohne und Peilung: Zum ersten Mal haben wir die Insel als exaktes 3D-Modell, über und unter Wasser. Ein Blick in die Messdaten der Ingenieurgesellschaft Thönnessen.

Im ersten Eintrag dieses Journals stand ein unscheinbarer Satz: Bevor irgendetwas Neues entsteht, muss klar sein, was tragfähig ist und was nicht. Dafür braucht es zuerst etwas sehr Grundsätzliches, nämlich ein genaues Bild davon, was da eigentlich im Wasser steht. Dieses Bild haben wir jetzt.
Die Ingenieurgesellschaft Thönnessen aus Hamburg hat die Insel vermessen, und zwar komplett: über Wasser mit Laserscanner und Drohne, unter Wasser per Peilung. Herausgekommen ist eine Punktwolke, also Millionen einzeln eingemessener Punkte, die zusammen ein maßstabsgetreues 3D-Modell ergeben. Das Titelbild zeigt es eingefärbt nach Höhe: Blau ist der Meeresboden, Rot das Dach des Gebäudes.
Über Wasser: die Insel in Echtfarben
Über der Wasserlinie tragen die Punkte ihre echten Farben. So sieht die Insel aus, wenn man sie von allen Seiten zugleich betrachten könnte: das Gebäude mit seinen leeren Fensteröffnungen, die Deckfläche, der verwitterte Rand des Sockels. Anders als ein Foto lässt sich das Modell vermessen. Jede Wand, jede Öffnung und jede Kante hat eine genaue Lage und Höhe.
Unter Wasser: was man vom Boot aus nie sieht
Richtig spannend wird es dort, wo man sonst nichts sieht. Blendet man alles über der Wasserlinie aus, bleibt der Sockel der Insel als geschlossener Ring stehen, und um ihn herum wird der Grund sichtbar. Der liegt in der Umgebung rund sieben bis acht Meter tief. Zum Sockel hin steigt er um mehrere Meter an: Ein breiter, unregelmäßiger Wall legt sich rings um das Fundament.
Was genau dieser Wall ist, ob gezielt aufgeschüttete Steine zum Schutz des Fundaments oder über Jahrzehnte angesammeltes Material, wissen wir noch nicht. Genau solche Fragen sind der Grund, warum wir zuerst messen und dann planen.
Von oben: eine Karte bis auf den Grund
In der Draufsicht zeigt sich der Wall besonders deutlich. Für diese Ansicht haben wir zwei Darstellungen übereinandergelegt: die Insel in Echtfarben und darunter den Meeresboden als Tiefenkarte. Grün und Gelb markieren die flacheren Bereiche nahe am Sockel, Blau den tieferen Grund ringsum.
Im Schnitt: das Gebäude von innen
Schneidet man das Modell einmal quer durch, wird die Insel zur technischen Zeichnung. Oben zeichnen sich die Räume des Gebäudes ab, mit Wänden, Decken und Fensteröffnungen. Darunter liegen die Deckfläche und die senkrechten Außenwände des Sockels, die bis zum Wall am Grund hinabreichen. Das Innere des Sockels bleibt schwarz, denn dorthin reicht keine der Messungen.
Übrigens: Der dunkle Streifen auf Höhe der Wasserlinie im Titelbild ist kein Bauteil. Dort liegt eine Lücke in den Daten, an der Stelle, wo die Messung von oben und die von unten aufeinandertreffen.
Warum das wichtig ist
Für die Genossenschaft ist diese Vermessung die Grundlage für fast alles, was jetzt kommt. Wer an Statik, Sanierung oder Genehmigungen arbeitet, hat damit eine gemeinsame, exakte Arbeitsgrundlage statt Schätzungen und alter Pläne.
Und die Messung ist ein Ausgangspunkt. Wird die Insel in einigen Jahren erneut vermessen, lassen sich beide Datensätze vergleichen. So wird sichtbar, ob und wo sich am Sockel oder am Grund etwas verändert hat.
Danke
Unser Dank geht an Lasse Thönnessen und die Ingenieurgesellschaft Thönnessen mbH in Hamburg für die Messung, die Aufbereitung der Daten und die großartige Unterstützung. Alle Abbildungen in diesem Beitrag sind Ansichten aus diesen Messdaten.
Häufige Fragen
Was ist eine Punktwolke?
Eine Punktwolke ist das Ergebnis einer 3D-Vermessung: Millionen einzelner Punkte, von denen jeder eine genaue Lage im Raum hat und oft auch eine Farbe. Zusammen ergeben sie ein maßstabsgetreues Abbild, in dem sich Abstände, Höhen und Flächen direkt messen lassen.
Wie misst man unter Wasser?
Laserscanner und Drohne erfassen nur, was über der Wasseroberfläche liegt. Unter Wasser wird gepeilt, das heißt, die Tiefe wird Punkt für Punkt vom Boot aus gemessen. Anschließend werden die Daten von oben und von unten in einem gemeinsamen Koordinatensystem zusammengeführt.



