
Logbuch24. August 20268 Min. Lesezeit
Wasserbauexperten besichtigen die Insel
Ein Schweißer und zwei Wasserbaufachleute haben Eden Island vor Ort geprüft: Stahlpfähle, Korrosion, Tragfähigkeit. Was die Begehung im Greifswalder Bodden für das Projekt bedeutet.

Es gibt Momente, in denen ein Projekt aufhört, eine Idee zu sein, und anfängt, eine Baustelle zu werden. Für Eden Island war das der Tag, an dem Menschen mit Erfahrung im Wasserbau über die Kanten der Plattform gebeugt standen, Rost betrachtet, Stahl abgeklopft und Fragen gestellt haben, die sich nicht mit Begeisterung beantworten lassen.
Auf dem Foto von diesem Tag steht Manfred Welding auf dem Beton der Anlage, orange Warnjacke, Kappe, Sonnenbrille, hinter ihm der Bodden und in der Ferne die flache Küstenlinie. Rechts im Bild ein rot gestrichener Betonpfeiler, verwittert, von Salz und Wetter gezeichnet. Kein Hochglanz, kein Rendering. Ein Ort, der lange auf sich selbst gestellt war und trotzdem noch da ist.
Warum eine Begutachtung mehr wert ist als jede Vision
Eden Island lebt von einer Erzählung: eine Insel, die keinem einzelnen Investor gehört, sondern von vielen gemeinsam getragen wird. Diese Erzählung hält nur, wenn sie einer nüchternen Prüfung standhält. Wer 999 Euro für einen Genossenschaftsanteil vorreserviert, hat ein Recht darauf zu erfahren, in welchem Zustand die Substanz ist, auf der alles Weitere aufbaut.
Deshalb ist die wichtigste Reihenfolge in diesem Projekt: erst schauen, dann planen, dann bauen. Nicht umgekehrt. Eine Plattform aus Stahl und Beton in der Ostsee verzeiht keine Wunschannahmen. Sie verzeiht auch keine Eile. Was sie verzeiht, ist Geduld, und die hat sie über Jahrzehnte bewiesen.
Die Eden Island eG in Gründung hat das Nutzungsrecht an der Wasserfläche samt der darauf stehenden Bauten erworben. Kein Grundstückseigentum, kein Bodenspekulationsobjekt. Genau diese Konstruktion ist der Grund, warum die Insel dem Immobilienmarkt dauerhaft entzogen bleiben kann. Und sie ist der Grund, warum die technische Frage so zentral ist: Wer nicht spekuliert, muss instand halten.
Ostervilm: eine Station, die nie ein Zuhause war
Die Anlage im Greifswalder Bodden war eine Entmagnetisierungsstation der DDR. Schiffe fuhren hier durch, um ihr magnetisches Eigenfeld zu vermindern, damit Minen sie nicht orten konnten. Ein rein militärisch-technischer Zweck, ohne Rücksicht auf Aufenthaltsqualität. Gebaut wurde, was funktionieren musste: eine kombinierte Konstruktion aus Beton und Stahl, gesetzt ins Wasser, dimensioniert für Technik statt für Menschen.
Diese Herkunft prägt den Ort bis heute. Es gibt keine gewachsene Nutzung, an die man anknüpfen könnte, keine alten Wände mit Geschichten. Es gibt eine Plattform, eine Zufahrt, Beton, Stahl, Wasser und Wind. Was darauf entsteht, ist eine offene Frage. Genau darin liegt der Reiz für Filmleute, Fotografinnen, Musiker, Architektinnen und alle, die mit Rohheit besser umgehen können als mit Perfektion.
Was die militärische Vergangenheit für die Statik bedeutet
Militärbauten der DDR wurden solide gebaut, aber für einen definierten Betrieb und eine definierte Lebensdauer. Nach dem Ende dieser Nutzung folgten Jahrzehnte ohne planmäßige Instandhaltung. Salzwasser, Frost, Eisgang und Wellenschlag arbeiten in dieser Zeit ununterbrochen weiter. Ein Bauwerk in der Ostsee, das jahrzehntelang niemand gepflegt hat, ist deshalb weder automatisch verloren noch automatisch tragfähig. Es ist ein Fall für Fachleute.
Wer die Insel angeschaut hat und warum das zählt
Manfred Welding ist Schweißer und betreibt einen YouTube-Kanal zu Metallbearbeitung, Schweißen und Werkzeugtests. Sein Blick auf die Insel ist der eines Handwerkers, nicht der eines Immobilienentwicklers. Er sieht Nahtqualität, Materialstärke, Rostbild, Zugänglichkeit. Er fragt, wo man ansetzen kann und mit welchem Verfahren. Das ist eine sehr bodennahe Form von Expertise, und sie ist im Zweifel wertvoller als jede Hochglanzstudie.
Torsten Hauser stellt sich im Video als Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Wasserbau GmbH vor. Das Unternehmen macht laut eigener Darstellung Wasserbauprojekte in Nord- und Ostsee, mit Schwerpunkt Ostsee, spezialisiert auf Nassbaggerarbeiten, Hafenbau und Transport. Wer regelmäßig an Kaianlagen, Molen und Hafeninfrastruktur arbeitet, kennt exponierte Bauwerke im Salzwasser aus der täglichen Praxis. Er weiß, was eine Ertüchtigung im Wasser bedeutet, logistisch und handwerklich.
Ruben Glückner kam für GRBV Ingenieure im Bauwesen dazu. GRBV ist ein Ingenieurbüro mit Hauptsitz in Hannover, spezialisiert auf Tragwerksplanung, und bearbeitet nach eigener Darstellung unter anderem Brücken, Tunnel, Schleusen, Häfen sowie Ingenieurwasserbau und Spezialtiefbau. Damit ist die zweite Perspektive abgedeckt, die es hier braucht: die rechnerische. Praxis und Statik zusammen ergeben ein Bild, das keine der beiden Seiten allein liefern könnte.
Stahlpfähle, Korrosion, Tragfähigkeit: worauf der Blick fiel
Im Zentrum der Begehung stand die Tragstruktur. Bei einer Anlage dieser Bauart sind das vor allem die Stahlpfähle im Wasser und im Boden, die Übergänge zu den Betonbauteilen und die Bereiche in der Wasserwechselzone. Dort, wo Stahl abwechselnd nass und trocken wird und wo Sauerstoff im Spiel ist, arbeitet Korrosion am schnellsten. Das ist bei Hafen- und Küstenbauwerken bekannt und einer der ersten Punkte, an denen Fachleute nachsehen.
Sichtbar sind Rost, Abwitterung und offengelegte Stahlbauteile. Das gehört zu einem Bauwerk dieses Alters und dieser Lage. Entscheidend ist nicht, ob Rost vorhanden ist, sondern wie viel tragender Querschnitt darunter noch steht. Diese Frage lässt sich nicht durch Hinsehen klären. Sie braucht Messungen, Wanddickenprüfung und eine statische Bewertung. Genau das ist der Weg, den das Projekt jetzt geht.
Wir halten uns deshalb bewusst mit Zahlen zurück. Es liegen keine öffentlich vorliegenden Prüfprotokolle, keine ausgewerteten Korrosionsraten und keine belastbaren Kennwerte zur Resttragfähigkeit vor, die wir hier nennen könnten. Was wir sagen können: Die Fachleute haben die Anlage angesehen, die Diskussion drehte sich um Zustand und Ertüchtigung, und niemand hat das Projekt für aussichtslos erklärt. Eine solche Begehung ist der erste Schritt, nicht das Gutachten.
Wie eine Ertüchtigung grundsätzlich aussieht
Bei alten Stahlkonstruktionen im Wasser gibt es ein etabliertes Vorgehen. Man erfasst den Zustand, prüft Querschnitte, verstärkt oder ersetzt geschwächte Bauteile, schützt Stahl gegen weiteren Angriff und legt fest, welche Lasten die Konstruktion künftig tragen soll. Aus dieser letzten Festlegung folgt fast alles Weitere. Eine Plattform für Filmarbeit, Workshops und Aufenthalt braucht andere Reserven als eine, auf der schwere Technik dauerhaft steht.
Für Eden Island heißt das: Die Nutzung wird sich am Bauwerk orientieren müssen, nicht umgekehrt. Das klingt nach Einschränkung, ist aber die ehrlichste Basis für ein Projekt, das ohne starren Masterplan arbeitet und sich schrittweise entwickeln will.
Das Video: hingehen, hinsehen, mitdenken
Manfred Welding hat den Besuch in seinem Video mit dem Titel „IRRE: Ich kaufe eine Insel! Aus Stahl in der Ostsee" dokumentiert. Wer sehen will, wie die Anlage tatsächlich aussieht, welche Dimensionen der Beton hat und wie das Wasser um die Konstruktion steht, bekommt dort mehr als jede Beschreibung liefern kann. Auch Torsten Hauser kommt darin selbst zu Wort und ordnet ein, mit welcher Art von Bauwerk man es hier zu tun hat.
Unsere Empfehlung: schau es dir an, bevor du über eine Beteiligung nachdenkst. Nicht weil es Werbung wäre, sondern weil es der ungeschminkte Blick ist. Ein Bauwerk, das seit Jahrzehnten allein im Bodden steht, sieht aus wie ein Bauwerk, das seit Jahrzehnten allein im Bodden steht. Wer damit etwas anfangen kann, ist hier richtig.
Was daraus folgt und wie du mitmachen kannst
Die Begehung mit Manfred Welding, Torsten Hauser und Ruben Glückner verändert die Substanz der Insel nicht. Sie verändert etwas anderes: die Grundlage, auf der entschieden wird. Ab jetzt reden wir bei Eden Island nicht über eine romantische Idee, sondern über eine Konstruktion mit bekannten Fragestellungen, für die es Fachleute, Verfahren und Erfahrung gibt. Das ist der Unterschied zwischen einem Traum und einem Vorhaben.
Unsere Einschätzung ist klar: Der Weg über eine Genossenschaft ist für diesen Ort der einzige, der langfristig funktioniert. Ein einzelner Investor müsste die Insel irgendwann verwerten. Eine Gemeinschaft von Menschen, die das Nutzungsrecht gemeinsam trägt, kann sie stattdessen erhalten und entwickeln. Und sie kann sich das Tempo erlauben, das ein solches Bauwerk verlangt.
Geplant ist die Vergabe von 1.000 Anteilen zu je 999 Euro an Privatpersonen und Unternehmen. Wer einen Anteil vorreserviert, wird Mitglied der Eden Island eG in Gründung. Die Haftung endet bei der Einlage. Renditeversprechen gibt es hier keine, und wir machen auch keine. Was es gibt, ist Mitbestimmung darüber, was auf dieser Plattform entsteht, und die Möglichkeit, als aktives Mitglied selbst mitzuwirken.
Besonders gesucht sind Menschen, die etwas mitbringen, das kein Geld ersetzen kann. Fachleute aus Architektur, Handwerk, Metallbau, Energieversorgung, Design und Landschaftsplanung. Filmschaffende, Fotografinnen, Musiker, die einen Ort brauchen, den es sonst nirgends gibt. Wenn du dazugehörst, melde dich mit dem, was du kannst, nicht nur mit dem, was du zahlen willst.
Jahrzehntelang hat diese Station im Bodden gewartet. Worauf, entscheiden diejenigen, die jetzt einsteigen.
Häufige Fragen
Kauft die Eden Island eG die Insel?
Nein. Erworben wurde das Nutzungsrecht an der Wasserfläche samt der darauf stehenden Bauten, kein Grundstückseigentum. Genau diese Konstruktion sorgt dafür, dass die Insel dem spekulativen Immobilienmarkt entzogen bleibt.
Wie ist der bauliche Zustand der Stahlkonstruktion?
Die Anlage besteht aus Beton und Stahl und zeigt nach Jahrzehnten in der Ostsee Rost, Abwitterung und offengelegte Stahlbauteile. Belastbare Messwerte zu Wanddicken, Korrosionsraten oder Resttragfähigkeit liegen öffentlich nicht vor; die Begehung mit den Wasserbaufachleuten war der erste Schritt einer fachlichen Bewertung.
Wer hat die Insel begutachtet?
Der Schweißer und YouTuber Manfred Welding gemeinsam mit Torsten Hauser, Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Wasserbau GmbH, und Ruben Glückner von GRBV Ingenieure im Bauwesen. Hauser bringt die Praxis aus Küsten- und Hafenbau mit, GRBV die Tragwerksplanung.
Was kostet ein Anteil und was bedeutet er?
Ein Anteil kostet 999 Euro, insgesamt sind 1.000 Anteile vorgesehen. Anteile werden vorreserviert und begründen eine Mitgliedschaft mit Mitbestimmung; die Haftung endet bei der Einlage. Renditeversprechen gibt es nicht.
Was war die Insel Ostervilm ursprünglich?
Eine Entmagnetisierungsstation der DDR im Greifswalder Bodden. Schiffe wurden dort behandelt, um ihr magnetisches Eigenfeld zu reduzieren. Gebaut wurde eine rein technische Anlage aus Beton und Stahl, nicht für den Aufenthalt von Menschen.
Quellen
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt.



